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Kreditfinanzierte Rente – Chancen nutzen Risiken einschätzen

10.10.2007

Kreditfinanzierte Rente – Chancen nutzen Risiken einschätzen

Die fremdfinanzierte Rente ist im Grunde eine gute Möglichkeit sein Dasein im Alter aufzubessern. In den letzten Jahren gab es aber auch einige negative Erfahrungen mit dieser Form der Rentenfinanzierung.
Die Rechtsanwältin Andrea Häcker-Hollmann ist seit vielen Jahren im Anlegerschutz tätig und erklärt aus ihren praktischen Erfahrungen heraus die Vor- und Nachteile. Worauf sollte man bei der fremdfinanzierten Rente unbedingt achten und für wen ist sie geeignet?

Die fremdfinanzierte Rente erfreute sich in den letzten Jahren bei Anlegern – zumeist Freiberuflern – und Finanzdienstleistern großer Beliebtheit. Das Konzept der kreditfinanzierten Rente stößt aber zunehmend auf Kritik da sich herausgestellt hat dass die Renditeprognosen oft zu optimistisch waren. Die Renditen von Lebensversicherungen insbesondere von stark in Aktien investierenden britischen Versicherungen (CMI) unterliegen den Schwankungen der Kapitalmärkte. Viele Anleger die sich über die Risiken dieser Hebelgeschäfte nicht im Klaren waren haben erhebliche wirtschaftliche Verluste erlitten. Das Modell der kreditfinanzierten Rente wird trotzdem weiter von Finanzdienstleistern angeboten. Diese Anlageform bietet die Chance auf einen hohen Gewinn aber auch hohe Risiken bis hin zur Privatinsolvenz.

So rechnet sich die fremdfinanzierte Rente

Die Basis der fremdfinanzierten Rente ist ein zinsgünstiger Kredit. Das Modell kann sich nur dann rechnen wenn Beträge aus der Rente höher ausfallen als die Kosten die für die Zinszahlungen entstehen. Die Anbieter empfehlen deshalb oft Darlehen auf der Grundlage von Schweizer Franken oder japanischen Yen da hierfür niedrige Zinsen entrichtet werden müssen. Diese Währungskredite sind allerdings äußerst riskant da Fremdwährungsdarlehen in der Regel nur für kürzere Laufzeiten wie 5 Jahre oder bestenfalls 10 Jahre festgeschrieben werden. Weil das Darlehen immer in der Stammwährung getilgt werden muss trägt der Anleger zum Zeitpunkt der Darlehenstilgung das Wechselkursrisiko. Wenn der Euro zum Tilgungszeitpunkt an Wert verliert kann sich die effektiv zurückzuzahlende Kreditsumme erheblich erhöhen.

Viele Banken verlangen als Sicherheit auch eine Grundschuld auf die – oft selbst genutzte –Immobilie des Anlegers.

Vorsicht bei Zinsen als Werbungskostenabzug

Ein Verkaufsargument bei der Vermarktung des fremdfinanzierten Rentenmodells war der Umstand dass die Zinsen für das Darlehen steuerlich als Werbungskosten absetzbar sind. Hierbei ist allerdings Vorsicht geboten. Für die Anerkennung der Verluste besteht die Voraussetzung dass zwischen den Finanzierungskosten und den späteren Renteneinkünften ein eindeutiger wirtschaftlicher Zusammenhang besteht und ein Überschuss erzielt wird. Wenn die Steuerbescheide vorläufig in Bezug auf die geltend gemachten Kreditzinsen ergehen kann das Finanzamt die zu einem späteren Zeitpunkt geltend gemachten Werbungskosten dann immer noch zurückfordern wenn der Anleger keine Gewinne erzielen kann.

Eingeschränkte Steuervorteile

Heute ist zu beachten dass die Steuervorteile der kreditfinanzierten Rente der Verlustabzugsbeschränkung des neuen § 15 b Einkommensteuergesetz (EStG) unterliegen. Einer der Vorteile der fremdfinanzierten Rente war bislang der Umstand gewesen dass die Zinsen für das Darlehen komplett als Werbungskosten geltend gemacht werden konnten aber gleichzeitig die Rente jedoch nur mit dem geringen Ertragsanteil zu versteuern war. Mit dem neuen § 15 b EStG wollte der Gesetzgeber ausdrücklich sämtliche modellhaften Gestaltungen verhindern.

Leibrente aus Lebensversicherung

Die zweite Säule des Modells ist das „Trägerinstrument“ welches eine hohe Rendite erwirtschaften soll die über dem Fremdfinanzierungszins liegt. Ein Großteil des Kredits wird in eine sofort beginnende deutsche Leibrentenversicherung oder in eine britische Lebensversicherung eingezahlt. Der Anleger erhält eine lebenslange Monatsrente die sofort nach Einzahlung des Kapitals beginnt.

Der dritte Aspekt ist der „Tilgungsinstrument“ da in der Regel die Rückzahlung des Bankkredits in 10 bis 15 Jahren erfolgen muss. Als Tilgungsmodell ist je nach Anbieter entweder ein Investmentfonds oder eine kapitalbildende Lebensversicherung vorgesehen.

In der Summe ergeben sich Chancen aus den Zinsdifferenzen und steuerlichen Vorteilen – mit der Einschränkung dass es hier keine Garantien für die Zukunft gibt.

Mit den Chancen sind Risiken verbunden

Auf dem Papier entsteht der Eindruck dass hier ein sicheres Modell entwickelt wurde mit dem vor allem gutverdienenden Freiberufler eine Rente ohne Eigenkapital aufbauen könnten. Das Modell der fremdfinanzierten Rente birgt jedoch zahlreiche Risiken über die die Anleger meist nicht aufgeklärt wurden:

  1. Keine Garantieverzinsung: Es gibt keine Garantie bei einer Leibrenten-Versicherung auf die Gesamtrendite. Mit der Mindestverzinsung bei deutschen Lebensversicherungen rechnet sich das Modell nicht. Auch bei britischen Lebensversicherungen (Clerical Medical) ist die Rendite nach dem Einbruch der Börsen drastisch zurückgegangen da die britischen Lebensversicherungen überwiegend in Aktien investiert hatten.
  2. Durch das Währungs-Kursrisiko bei einer fremdfinanzierten Rente in Yen oder Franken stellt der Anleger oft fest dass er neben dem niedrigen Zins effektiv weit mehr zurückzahlen musste.
  3. Marktrisiko: Je nachdem wie sich die Börsensituation bei Ablauf des Darlehens verhält zeigt sich erst ob das Darlehen zurückgezahlt werden kann oder ob dieses verlängert werden muss. Die Bank kann dann aber eine Verlängerung des Kredits ablehnen oder zusätzliche Sicherheiten fordern.
  4. Zinsrisiko: Durch eine längere Zinsfestschreibung oder gegebenenfalls eine Verlängerungsoption kann durch steigende Zinsen für den Anleger eine erhebliche Mehrbelastung entstehen.
  5. Steuerrisiko: Die steuerliche Situation des Anlegers kann sich durch äußere Umstände ändern so dass sich das Modell nicht mehr rechnet. Im Übrigen schreckt die aktuelle Rechtsprechung auch vor rückwirkenden Eingriffen in geltendes Recht nicht mehr zurück.
  6. Renditerisiko: Geringe Abweichungen der einzelnen Prämissen können die Erträge erheblich schmälern; dieser Effekt wird durch die Hebelwirkung noch verstärkt.
  7. Risiko Überschussbeteiligung: Oft ist nur die erste Jahresrente garantiert. Die Folgerenten sind von den erzielten Überschüssen der Versicherung abhängig. Wenn diese geringer als errechnet ausfallen deckt die Rente nicht mehr die Zinsen für das Darlehen.

Statt der erhofften Rente ohne Eigenkapital kann der Investor aber auch abstürzen und ein persönliches Finanzfiasko erleiden das sich oft erst nach Jahren realisiert.

Hierzu ein Beispiel:

Ein gut verdienender Freiberufler im Alter von 45 Jahren mit Ehefrau und zwei Kindern und einem unbelasteten Wohnhaus (Verkehrswert Euro 250.000.-) will für das Alter vorsorgen. Er wird von einem Finanzdienstleister darüber informiert dass er sich ganz ohne weitere laufende Belastung sofort eine lebenslange Rente sichern kann. Es wird ein Darlehen in Höhe von 3 Mio. Euro aufgenommen und das Wohnhaus wird beliehen. Das Geld wird in eine sofort beginnende Leibrentenversicherung eingezahlt. Mit der Sofortrente sollten nun die Darlehenszinsen beglichen und das Tilgungsinstrument aufgebaut werden. Durch den erheblich gesunkenen Wertzuwachs bei der Leibrente können die Zinsen nicht voll bedient werden. Auch die Bank sieht Handlungsbedarf und möchte zusätzliche Sicherheiten. Wenn diese nicht erbracht werden können kündigt die Bank das Darlehen und verlangt zusätzlich noch eine Vorfälligkeitsentschädigung. Die Rückzahlung des Kredits kann jetzt nur noch durch Verwertung des Wohnhauses bewältigt werden.

Risikobündel erkennen und absichern

Dies zeigt dass die veränderbaren Grundpfeiler der fremdfinanzierten Rente ohne Absicherungsmaßnahmen ein Risikobündel sind das für den Anleger zu einer Zeitbombe werden kann. Die fremdfinanzierte Rente ist somit nur für Personen geeignet die die mit der Anlage verbundenen Risiken tragen können. Die Anleger sollten hier besonderes Augenmerk auf eine objektive und fundierte Beratung legen bei der der Berater auch offen die verschiedenen Risiken aufzeigen sollten.

Anleger die durch das System der fremdfinanzierten Rente schon wirtschaftliche Verluste erlitten haben sollten ihren Fall auf mögliche Ansprüche hin prüfen lassen. Sie können über unser Kontaktformular mit uns Verbindung aufnehmen.

Andrea Häcker-Hollmann Rechtsanwältin
Anwaltskanzlei Hänssler & Häcker-Hollmann

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